Grundlegende Fragen

Am Anfang gilt es, die grundlegende Eignung des jeweiligen Dorfes zum Bioenergiedorf zu überprüfen. Dazu sind Fragen zu beantworten wie:

  • Reicht das Biomasseaufkommen und sind die ortsansässigen Landwirte zu Anbau und Lieferung bereit? 50 bis 100 Hektar Anbaufläche sollten mindestens zur Verfügung stehen.
  • Liegt das Dorf in einer Wasserschutzgebietszone? In Wasserschutzgebietszone I und II ist der Bau von Bioenergieanlagen genehmigungsrechtlich nicht möglich. In Zone III ist er mit erheblichem finanziellen Mehraufwand verbunden.
  • Gibt es ein neues Erdgasnetz im Ort? Das könnte ein starkes Hemmnis für die Verlegung eines Nahwärmenetzes sein, weil die Anschlussbereitschaft der Einwohner an das Nahwärmenetz dann geringer sein wird.
  • Wie viele Einwohner und Haushalte gibt es im Ort? Eine ideale Größe ist eine Einwohnerzahl zwischen 500 und 1.000. Doch auch Projekte in größeren oder kleineren Dörfern sind möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Erfolgreiches Beispiel für ein kleines Bioenergiedorf (300 Einwohner) ist Altershausen in Bayern.
  • Sind Dorferneuerung, Straßensanierungen u. ä. gerade abgeschlossen oder erst noch geplant? Letzteres ist vorteilhafter, weil die Verlegung des Nahwärmenetzes dann finanziell günstiger werden kann.
  • Gibt es große Wärmeabnehmer (Schule, Freibad, Verwaltung, Gewerbe etc.), insbesondere solche, die auch im Sommer einen Wärmebedarf haben, wie Schwimmbäder? Sie wirken sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus, weil sie die Überschusswärme des Blockheizkraftwerkes im Sommer nutzen können.
  • Wie viel landwirtschaftliche Betriebe gibt es in der Gemarkung?
  • Wie groß ist das Aufkommen an Gülle und Mist?
  • Wie groß sind die bewirtschafteten Acker- und Grünlandflächen?
  • Wie viel Forstflächen sind vorhanden?
  • Gibt es eine intakte Dorfgemeinschaft? (Anzahl Vereine, erfolgreich realisierte Gemeinschaftsprojekte etc.)
  • Gibt es geeignete und ausreichend große Versammlungsräume?

Die gewählten Vertreter aus den Räten (Ortsrat, Gemeinderat, Kreistag etc.) sollten in das geplante Projekt fest mit einbezogen werden. Neutrale Personen von außen, die das Projekt unterstützen, sind sehr hilfreich (z. B. Wissenschaftler einer Universität aus der Region).

Die kontinuierliche Einbindung der Dorfbewohner erfolgt durch Dorfversammlungen und die Gründung von Arbeitsgruppen. Durch eine Fragebogenaktion wird erkundet, wie groß die Bereitschaft der Bewohner ist, mitzumachen. Ziel der ersten Phase ist die Erstellung einer Machbarkeitsstudie.